Bewegung hilft, in den allermeisten Fällen. Auch bei Arthrose ist es das Beste, was ihr machen könnt. Viel Bewegung ist auch eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gute kindliche Entwicklung. Die Fülle ihrer täglich neu geknüpften Nervenverbindungen, erhält durch Bewegung Schutz und Nahrung. Das haben Studien von Matías Alvarez-Saavedra und David Picketts von der Universität Ottawa herausgefunden. Sie untersuchten Mäuse mit einem Gendefekt, bei dem die schützende Nerven-Ummantelung, die Myelinhülle, bei den Kleinhirnzellen größtenteils fehlte. Das Kleinhirn steuert die Bewegungskoordination und das Gleichgewicht, weshalb die Mäuse wie betrunken taumelten. Gleichzeitig lag ihre Lebenszeit nur noch bei einem Monat statt bei plus einem Jahr. Im Versuch bekam die Hälfte ein Laufrad. Die Lebenszeit der Läufer verlängerte sich dadurch auf mehr als zwölf Monate und ihre Bewegungen wurden sicherer. Die Nervenhüllen hatten sich teilweise regeneriert und ihre Funktionsfähigkeit zurückgewonnen. Das Laufen förderte die Ausschüttung des Wachstumsfaktors VGF, einem Eiweiß, das den Hirnstoffwechsel beeinflusst. Gaben sie das VGF auch den Nichtläufern, zeigten sie die gleichen Verbesserungen wie ihre Sport treibenden Kollegen. In weiteren Untersuchungen wird nun geklärt, wie der Wachstumsfaktor an den Hüllen wirkt. Diese Ergebnisse könnten auch für Multiple Sklerose Betroffene interessant sein (Quelle: Matías Alvarez-Saavedra (University of Ottawa) et al., Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2016.09.030).

Eine Studie vom Robert Koch Institut bei Grundschulkindern zeigte hingegen, dass die körperliche Fitness bei Jungen und Mädchen seit 1995 um 20% bzw. 26% zurückgegangen ist. 67% der deutschen Jugendlichen sitzen täglich mehr als 2 Stunden, 36% > 4 und 17% > 6 Stunden vor dem Fernseher oder digitalen Medien (Dr. Ellert et al.: „KiGGS Folgebefragung – Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2013; S. 37-38., 2013). Aber nicht nur sie verhäuslichen und verfetten. Laut statistischen Bundesamt leiden 62% der Männer und 43% der Frauen an Übergewicht. Zucker macht Hunger und süchtig nach Zucker. Die Zahl der adipösen Jugendlichen stieg seit den 1980er-Jahren um das Dreifache. Altersdiabetes haben inzwischen schon Kinder

(www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/GesundheitszustandRelevantesVerhalten/Aktuell.html).

Wer Kinder zu Übergewicht erzieht, schenkt ihnen ein L°eben in Inaktivität mit körperlichen Beschwerden. Jedes Kilo zu viel trägt zum schnelleren Verschleiß der Gelenke bei. Nicht nur wegen dem Plus an Gewicht. Unser Fettgewebe produziert einen Botenstoff, der den Gelenkknorpel angreift und deshalb Arthrosen fördert und jedes Bewegungsmuster, das wir nicht lernen, fehlt im Langzeitgedächtnis. Wer aber überfordert und geistig müde ist, wird träge und faul. Viele Kinder sind weniger als eine Stunde pro Tag körperlich aktiv und damit weniger, als die Weltgesundheitsorganisation, die WHO, empfiehlt. Kinder brauchen Bewegung, aber auch sichere Räume, in denen sie sich bewegen können. Ganz besonders in der Stadt.